Montag, 8. Dezember 2014

Maturleselisten

Mike Bill
Coming-Of-Age
Goethe: Die Leiden des jungen Werthers (1773)
Mann: Tonio Kröger (1901)
Wedekind: Frühlings Erwachen (1891/1906)
Grass: Die Blechtrommel (1959)
Berg: Vielen Dank für das Leben (2012)
Hermann Hesse
Krisis (Lyrik, 1924)
Der Steppenwolf (1927)
Demian (1919)
Simona brunner
Hermann Hesse
Demian (1919)
Steppenwolf (1927)
Familiendrama
Lessing: Emilia Galotti (1771)
Fontane: Effi Briest (1891)
Vanderbeke: Das Muschelessen (1992)
Schuld & Sühne
Stefan Zweig: Ungeduld des Herzens (1939)
Martin Walser: Ein fliehendes Pferd (1979)
Silke Scheuermann: Shanghai Performance (2011)
Christian Bürli
E.T.A Hoffmann
Der Sandmann (1819)
Nussknacker und Mausekönig (1816)
Motiv: Kampf um die eigene Würde
Lessing: Emilia Galotti (1772)
Schiller: Die Räuber (1781)
Schiller: Wilhelm Tell (1804)
Joseph Roth:Die Legende vom heiligen Trinker(1939)
Bruderstreit & Geschwisterkonflikt
Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt (2005)
Juli Zeh: Corpus Delicti (2009)
David Campi
Der politisierte Mensch
Lessing: Nathan der Weise (1779)
Schiller: Wilhelm Tell (1804)
Georg Büchner: Dantons Tod (1835/1902)
Rolf Hochhuth: Der Stellvertreter (1963)
Heinrich Böll: Ende einer Dienstfahrt (1966)
Peter Schneider: Lenz (1973)
Lukas Bärfuss: Hundert Tage (2008)
Michel Houellebecq: Unterwerfung (2015)
Michael Christensen
Schuld & Sühne / Gewissen & Verantwortung
Ibsen: Gespenster (1881/83)
Fontane: Der Schach von Wuthenow (1882/83)
Schnitzler: Leutnant Gustl (1900)
Dürrenmatt: Die Physiker (1961/62)
Liebesverrat
Schnitzler: Der Reigen (1903/1920)
Schnitzler: Traumnovelle (1926)
Markus Werner: Zündels Abgang (1984)
Sulzer: Aus den Fugen (2012)
Céline Clivio
Rebell
Friedrich Schiller: Die Räuber (1781)
Hermann Hesse: Steppenwolf (1927)
Juli Zeh: Corpus Delicti (2009)
Teufelspakt
Jeremias Gotthelf: Die schwarze Spinne (1842)
Patrick Süsskind: Das Parfum (1985)
Wahnsinn
Georg Büchner: Woyzeck (ca. 1836)
Stefan Zweig: Schachnovelle (1942)
Friedrich Dürrenmatt: Die Physiker (1961)
Alessio d’Addio
Nebenbuhler
Friedrich Schiller: Kabale und Liebe  (1784)
Georg Büchner: Woyzeck (1837/1879/1913)
Elfriede Jelinek: Die Liebhaberinnen (1975)
Kampf um die eigene Würde
Franz Kafka: Die Verwandlung (1914)
Ödön von Horvath: Geschichten aus dem Wienerwald (1931)
Heinrich Böll: Die verlorene Ehre der Katharina Blum (1974)
Marlene Streeruwitz: Verführungen (1996)
Juli Zeh: Corpus Delicti (2009)
Adina hauser
Überwachung
Arthur Schnitzler: Leutnant Gustl (1900)



Christa Wolf: Der geteilte Himmel (1963)

Juli Zeh: Corpus Delicti (2009)

Marlene Streeruwitz: Die Schmerzmacherin (2011)

Familiendrama


Gerhart Hauptmann: Bahnwärter Thiel (1888)

Franz Kafka: Die Verwandlung (1915)

Fremdgehen
Euripides: Medea (431 v. Chr.)
Arthur Schnitzler: Die Traumnovelle (1926)

Marco Hunziker
Machtgier
Friedrich Schiller: Die Räuber (1781)
Bertolt Brecht: Die heilige Johanna der Schlachthöfe (1932)
Elfriede Jelinek: Die Klavierspielerin (1983)
Hermann Hesse
Unterm Rad 1906
Der Steppenwolf 1927
Narziss und Goldmund
Sucht
Joseph Roth: Die Legende vom heiligen Trinker
Thomas Melle: Sickster 2011
Severin Iseli
Rebell
Friedrich Schiller: Die Räuber (1781)
Monika Maron: Flugasche (1981)
Juli Zeh: Corpus Delicti (2009)
Hermann Hesse
Unterm Rad (1906)
Steppenwolf (1927)
Ambivalente Freundschaft
Günter Grass: Katz und Maus (1961)
Martin Walser: Ein fliehendes Pferd (1979)
Juli Zeh: Nullzeit (2012)
Kai Kersten
Franz Kafka:
Die Verwandlung (1915)
Der Prozess (1925)
Amerika (1927)
Rebell
Schiller: Die Räuber (1781)
Steppenwolf (1927)
Juli Zeh Corpus Delicti (2009)
Der Wille zur Macht
Heinrich Mann: Der Untertan (1918)
Bertolt Brecht: Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui (1957)
Alessandra manzelli
Jugend und Schule
von Eichendorff: Aus dem Leben eines Taugenichts (1826)
Siegfried Lenz: Deutschstunde (1968)

Politik und Mensch
Georg Büchner: Dantons Tod (1835/1902)
Christoph Hein: In seiner frühen Kindheit ein Garten (2005)
Juli Zeh: Corpus Delicti (2009)

Exilliteratur
Brecht: Furcht und Elend des III. Reiches (1935-1943)
Klaus Mann: Mephisto (1936)

Horvath: Ein Kind unserer Zeit (1938)
Selina Mbiyavanga
Christa Wolf

Der geteilte Himmel (1963)
Kassandra (1983)
Doppelgänger

Hoffmann: Die Elixiere des Teufels (1815)
von Droste-Hülshoff: Die Judenbuche (1842)

Daniel Kehlmann: Ruhm (2002)
Aufklärung/Sturm-und-Drang
Wagner: Die Kindermörderin (1776) 
Lessing: Nathan der Weise (1779)
Friedrich Schiller: Die Räuber (1781)
 Natalie Neuhaus
Heinrich von Kleist
Penthesilea (1808)
Die Marquise von O... (1808) / Das Erdbeben von Chili (1806)
Nachkriegszeit
Siegfried Lenz: Deutschstunde (1968)
Jurek Becker: Jakob der Lügner (1969)
unterwegs
Lessing: Nathan der Weise (1779)
Max Frisch: Homo faber (1957)
Kehlmann: Die Vermessung der Welt (2005)
Johannes Senesi
Taugenichtse
Schiller: Die Räuber (1781)
Joseph von Eichendorff: Aus dem Leben eines Taugenichts (1826)
Max Frisch: Don Juan und die Liebe zur Geometrie (1953)
Heinrich Böll: Ansichten eines Clowns (1963)
Schuld und Gewissen
Lessing: Nathan der Weise (1779)
Ödön von Horvath: Jugend ohne Gott (1937)
Friedrich Dürrenmatt: Die Physiker (1962)
Elfriede Jelinek: Die Kinder der Toten (1995)
Alena Spörri
Rebell
Hesse: Der Steppenwolf (1927)
Juli Zeh: Corpus Delicti (2009)
Verbotene Liebe
Goethe: Die Leiden des jungen Werthers (1774) 
Gottfried Keller: Romeo und Julia auf dem Dorfe (1875)
August Strindberg: Fräulein Julie (1888/89)
Lukas Bärfuss: Hundert Tage (2008)
Ambivalente Freundschaft
Martin Walser: Ein fliehendes Pferd (1979)
Juli Zeh: Nullzeit (2012)
Victoria Stucky
Kampf um die eigene Würde
Heinrich von Kleist: Penthesilea (1808)
Georg Büchner: Woyzeck (1835/79)
Henrik Ibsen: Nora oder Ein Puppenheim (1879)
Juli Zeh: Corpus Delicti (2009)
Das Teuflische
Goethe: Faust I. (1808)
Patrick Süskind: Das Parfum (1985)
Juli Zeh: Spieltrieb (2004)
Marina van Spyk
Rebell
Georg Büchner: Dantons Tod (1835/1902)
Franz Kafka: Die Verwandlung (1915)
Juli Zeh: Corpus Delicti (2009)
Ingeborg Bachmann
Ingeborg Bachmann: Das dreißigste Jahr (1961)
Ingeborg Bachmann: Malina (1971)
Sturm und Drang
Goethe: Die Leiden des jungen Werthers (1774) 
Schiller: Die Räuber (1781)
Nicole Wacker
Coming of age
Hermann Hesse: Unterm Rad (1906)
Narziss und Goldmund  (1930)
Goethe: Wilhelm Meisters Lehrjahre (1796, Buch 2&3)
Wolfgang Herrndorf: Tschick (2010)
Depression
Goethe: Die Leiden des jungen Werthers (1774) 
Georg Büchner: Dantons Tod (1835/1902)
Kunst und Leben
Thomas Mann: Der Tod in Venedig (1912)
Heinrich Böll: Ansichten eines Clowns (1964)
Laura Walde
Rebell
Schiller: Die Räuber (1781)
Henrik Ibsen: Nora oder Ein Puppenheim (1879)
Juli Zeh: Corpus Delicti (2009)
Exilliteratur
Stefan Zweig: Schachnovelle (1942)
Bertolt Brecht: Leben des Galilei (1948)
E.T.A. Hoffmann
Der Sandmann (1819)
Nussknacker und Mausekönig (1816)
Süskind: Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders (1985)
Anna Weber
Schuld und Sühne
Lessing: Nathan der Weise (1779)
Schiller: Maria Stuart (1800)
Walser: Ein fliehendes Pferd (1977)
Juli Zeh: Corpus Delicti (2009)
Exilliteratur
Lion Feuchtwanger: Der falsche Nero (1936)
Horvath: Jugend ohne Gott (1937)
Ernst Theodor Amadeus Hoffmann
Der Sandmann (1816)
Nussknacker und der Mausekönig (1816)
Philipp Wieland
Flucht & Eskapismus
Eichendorff: Aus dem Leben eines Taugenichts (1826)
Martin Walser: Ein fliehendes Pferd (1977)
der politisierte Mensch
Schiller: Die Räuber (1781)
Christoph Hein: In seiner frühen Kindheit ein Garten (2005)
Juli Zeh: Corpus Delicti (2009)
Schuld, Sühne, Gewissen
Lessing: Nathan der Weise (1779)
Joseph Roth: Hiob (1930)
Juli Zeh: Nullzeit (2012)



Beispiele von Leselisten des aktuellen und vergangener Jahre (dropbox)

Leselisten der G4E Matur 2015 (pdf)

Hier der Link zu den alten Leselisten auf google drive

Dienstag, 17. Juni 2014

Vortragsreihe

22. August, Freitag
Marco, Alena & Alessio: Elfriede Jelinek
Die Klavierspielerin
Die Liebhaberinnen


25. August, Montag
Victoria & Natalie: Max Frisch
Don Juan
Homo faber


27. August, Mittwoch
Marina & Simona: Hermann Hesse
Der Steppenwolf
Narziß und Goldmund


1. September, Montag
Kai & Mike: Siegfried Lenz
Deutschstunde
Der Mann im Strom


3. September, Mittwoch
Laura, Céline, Anna: Neue Sachlichkeit (2)
Lion Feuchtwanger: Der falsche Nero
Ödön von Horvath: 36 Stunden


8. September, Montag
Severin & Johannes: Heinrich Mann
Der Untertan
zwei Erzählungen


10. September, Mittwoch
Selina & Adina: Christa Wolf
Der geteilte Himmel
Kassandra


15. September, Montag
Michael & Christian: Neue Sachlichkeit (1)
Kurt Tucholsky: Schloß Gripsholm
Erich Kästner: Fabian


15. Oktober (1. Woche nach den Herbstferien), Mittwoch
Nicole & Alessandra & Philipp: Christoph Hein
Der falsche Freund (Drachenblut)
In seiner frühen Kindheit ein Garten

17. Oktober (voraussichtlich):
David: xy (noch nicht festgelegt)

Hier ein paar nützliche Links:

Motive und Themen
Zusammenfassungen (1)
Zusammenfassungen (2)
Lexika etc.
Linksammlung

Dienstag, 27. Mai 2014

Gemälde aus der Zeit der Weimarer Republik: Otto Dix, zwischen Expressionismus und ›Neuer Sachlichkeit‹

Alle Kunst sei "Ekstase, Koitus", sagte Dix. Sie sei "amoralisch, antichristlich, alogisch, antipazifistisch, antithetisch". 
Und weiter: "Allzu starke Gehirnlichkeit ist unkünstlerisch, letzten Endes ist doch jeder echte Künstler Medium! Wessen? Seiner selbst!" (Quelle)


nach seiner Abkehr vom Dadaismus


Otto Dix: Selbstportrait mit Akt (1923)
im Stil der ›Neue Sachlichkeit‹



















Samstag, 24. Mai 2014

Handlung oder Tat?

Satz eines Schülers: Nicht meine Erlebnisse und Taten definieren mich …
Gegenvorschlag: Nicht meine Erlebnisse und Handlungen definieren mich …

Im Unterricht sagte ich, dass Tat im üblichen Wortgebrauch heroisch oder kriminell konnotiert ist. Die Begriffe Heldentat und Untat illustrieren das.

Die Verben ›tun‹ und ›handeln‹ sind semantisch (von der Bedeutung her) synonymisch zu verwenden, die Nomen sind es nicht.
Alles was eine Tat ist, ist auch eine Handlung, das Umgekehrte gilt nicht. Beispiele für Dinge, die wir täglich tun, die aber deshalb noch lange keine Taten sind:
Zähne putzen
jemandem eine Nachricht schicken
einen Stuhl verrücken
eine Tasche auspacken

Dass eine Tat mehr ist als eine bloße Handlung, zeigt auch der folgende etwas altbackene Pfadfinderspruch:

›Jeden Tag eine gute Tat.‹

Dieser Satz birgt eine moralische Aufforderung: Man soll etwas Besonderes, etwas Gutes tun, jemandem helfen. Hier steckt die Idee drin, dass das Handeln etwas besonderes bewirkt, etwas bewegt.

›Handlung‹ ist vergleichsweise neutraler, es ist näher am Verhalten als am Bewirken. Und man kann oft nicht anders, als irgendwie handeln, doch das macht die Sache noch zu keiner Tat.

Warum sich das Wort ›Tat‹ (engl. deed) für unser tägliches Handeln (engl. action < to act) aus semantischer Sicht zumeist nicht eignet, zeigen auch folgende Darstellungen:

Übersicht über typische Verknüpfungen auf der DUDEN-Seite:





Zitat von Matthias Claudius

Freitag, 23. Mai 2014

Stilkunde: Anschauungsunterricht

1a. Der Grund für die Entstehung von Snowboarden lässt sich vielmehr auf die Suche nach dem Freiheitsgefühl sowie einer Möglichkeit sich selber auszudrücken zurückschließen, als auf das Streben eine möglichst große Drehungszahl mit einem Trick zu erhalten. 
1b. Snowboarder sehnen sich nach Freiheit und wollen sich ausdrücken, sie streben nicht nach möglichst schwierigen Sprüngen. 

2a. Der Juso-Che-Guevara kann durch Anhören des Rebellen eine andere Bedeutung kennenlernen und entscheiden, ob er diese applizieren will.
2b. Der Juso-Che-Guevara kann sich die Ansichten des Rebellen anhören und sich dann entscheiden, ob er sie teilt oder nicht. 

3a. Diese Überlegungen nehmen ihren Lauf und es werden Lügen selbstdarstellerischen Präsentationszweckens daraus.
3b. Man überlegt sich etwas dazu und es werden Lügen daraus, die einzig der Selbstdarstellung dienen. 

4a. Im Snowboard gibt es diesen Method, den ich sogar kann. Er unterscheidet sich von anderen nicht nur in der Perfektion, sondern auch in der Individualität, die Müller bei jedem Sprung miteinbringt. 
4b. Der Method ist so leicht zu springen, den beherrsche sogar ich. Im Unterschied zu anderen Sprüngen geht es bei ihm nicht um technische Perfektion, sondern um den individuellen Ausdruck. Und den bringt Müller bei jedem seiner Sprünge ein. (Und das ist Müllers Stärke.) 

5a. Kopien von Styles sind einschränkende Mittel der eigenen Freiheit und des Snowboarders.
Wer einen anderen Style kopiert, schränkt sich selber ein.

6a. Das Rauchen ist nicht nur ein Laster. Es ist auch ein Kontakt knüpfender Akt.
6b. Raucher lernen leichter andere Leute kennen als Nichtraucher.
6c. Wer raucht, lernt andere Leute kennen. 
6d. Zu rauchen bedeutet, andere Leute kennenzulernen. 
6e. Raucher sind anschlussfreudiger oder kommunikativer als Nichtraucher.
6f. Wenn man raucht, kommt man schnell mit anderen Rauchern in Kontakt.

7a. Jeder Mensch hat seine eigene Vorstellung, was jedes einzelne Wort ist, was genau es bedeutet und wie die Sache dahinter aussieht.
7b. Was ein Wort genau bedeutet, ist für jeden Menschen verschieden.
8a. McAdams erzählt, »die Lebensgeschichte ändert sich ständig«. 
8b. McAdams sagt, »die Lebensgeschichte ändert sich ständig«.
8cMcAdams sagt, die Lebensgeschichte ändere sich ständig.
8d. Laut MCAdams ändert sich die Lebensgeschichte ständig.


Dienstag, 20. Mai 2014

McAdams (Aufsatzthema)

Thema 4: »Ich bin, was ich über mich erzähle«
Erörterung

Der US-Psychologe Dan McAdams untersucht, was Lebensgeschichten mit unserer Persönlichkeit zu tun haben. Indem wir Geschichten über uns erzählen, erschaffen wir unsere Identität. Das nachfolgende Interview ist am 13.1.2013 in der NZZ am Sonntag erschienen.



Wie macht man das: einen Sinn in seinem Leben finden?
Dan McAdams: Wenn wir von unserem Leben sprechen, erzählen wir Geschichten. Darin schildern wir, wie wir uns unsere Zukunft vorstellen und wohin unser Leben gehen wird, erinnern uns aber ebenso unserer Vergangenheit. Sobald wir erwachsen werden, fangen wir an, über unser Leben so nachzudenken, als sei es eine Geschichte und wir deren Held. Diese Geschichten haben die psychologische Funktion, dem Leben einen Sinn, eine Bedeutung zu geben. Sie beschreiben, wer ich war, bin und sein werde. Ich spreche hier von narrativer Identität.
Ist meine Identität eine Geschichte?
Ich bin gewissermaßen, was ich über mich erzähle, ja. Wie wir uns selbst sehen und verstehen, fassen wir in Geschichten. In diesem Sinne buchstabieren die Geschichten unsere Identität aus. Wir tragen unsere Lebensgeschichte in uns und beziehen uns auf sie, wenn wir anderen von uns erzählen, unser Verhalten steuern oder wichtige Entscheidungen treffen. (…) Die Lebensgeschichte ändert sich ständig. (…)


Was bedeutet das?
Wie kann ich verstehen, dass ich heute, vor fünf Jahren und übermorgen ein und dieselbe Person bin? Trivialerweise kann man sagen, man habe denselben Namen oder denselben Körper. Aber wie ist es gekommen, dass ich so und nicht anders geworden bin? Geschichten bieten uns eine Erklärung an. Und sie helfen uns, Gegensätze in uns selbst zu begreifen.
Gibt es denn die eine Geschichte meines Lebens? Hängt nicht von meinem jeweiligen Zuhörer ab, was ich erzähle?

Die Zuhörerschaft hat sogar eine signifikante Auswirkung auf das, was jemand erzählt. (…) Die einzig wahre Geschichte gibt es nicht, sondern eher eine Konstruktion, die in verschiedenen Varianten daherkommt. Aber die wichtigen Themen tauchen immer auf.